Quelle: Salzburger Nachrichten, Josef Bruckmoser

Gegen Muskelschwund im Alter sollte es in jedem Seniorenheim Krafttraining geben, sagt eine Sportwissenschafterin.

In die Diskussion um das Verhältnis von Ausdauertraining und Krafttraining kommt Bewegung. Eine neue Studie über regelmäßiges Training hat deutliche  Unterschiede in der Wirkung gezeigt. Demnach verringert Ausdauertraining vor allem das Bauchfett, Krafttraining hingegen reduziere die Entzündungsprozesse im Körper. Eine weitere weitreichende Erkenntnis ist, dass Krafttraining die erste Wahl für die Erhaltung der Mobilität von älteren Menschen auch im Seniorenheim sei.

Barbara Prüller-Strasser, Leiterin des Instituts für Ernährungswissenschaften und Physiologie an der Tiroler Privatuniversität UMIT, hat 24 maßgebliche Studien in einer Zusammenschau (Metaanalyse) unter die Lupe genommen. „Das Ergebnis ist, dass regelmäßige körperliche Aktivität das Verhältnis von Muskelmasse zu Fettmasse günstig beeinflusst und das Risiko für chronisch degenerative Krankheiten verringert.“

Die Ernährungs- und Sportwissenschafterin, die seit 2009 an der UMIT in Hall in Tirol tätig ist, konnte darüber hinaus das Verhältnis von Kraft- und Ausdauertraining neu bestimmen. Ausdauertraining reduziert das gefährliche Bauchfett – am besten, wenn es mit Kraftübungen einhergeht. Krafttraining allein wirkt sich dagegen positiv auf das Entzündungsgeschehen im Körper aus. „Nicht  die Bewegung und das Ausdauertraining, sondern nur das Krafttraining hat das C-reaktive Protein gesenkt“, betonte Prüller-Strasser im SN-Gespräch.

Dieses Protein ist ein Eiweiß, das der Körper als Reaktion auf Entzündungen bildet. Es dient in der Medizin daher als Marker, als Maß für Entzündungsprozesse.
„Das Krafttraining hat diesen Entzündungsmarker um durchschnittlich 25 Prozent gesenkt!“, sagt Prüller-Strasser. „Das ist derselbe Effekt wie bei einer medikamentösen Therapie mit Statinen.“ Die Wissenschafterin an der Tiroler UMIT leitet daraus die Forderung ab, dass Krafttraining in jedem Seniorenheim stattfinden müsste – etwa gegen die erhöhte Sturzgefahr im Alter. „Der Verlust an Muskelmasse, der ab dem 60. Lebensjahr verstärkt einsetzt, könnte durch Krafttraining hinausgezögert werden.“ Denn dieses setzte direkt am Muskel an und sei daher effektiver als Ausdauertraining.

Nach den Erkenntnissen der Sport- und Gesundheitswissenschafterin haben ältere Menschen zu einem Krafttraining einen leichteren Zugang als zum Ausdauertraining. Der Grund: beim Krafttraining könne man nach jedem „Satz“ – das ist die mehrfache Wiederholung einer Übung bis zur Ermüdung – ein wenig verschnaufen. „Das ist für viele ältere Menschen angenehmer und abwechslungsreicher als eine halbe Stunde auf dem Hometrainer.“

Prüller-Strasser ist überzeugt, dass Krafttraining auch in schwierigsten Lebenssituationen hilfreich sein kann. In einer gemeinsamen Studie mit der Universitätsklinik Innsbruck sollen Patienten schon während einer Chemo- oder Strahlentherapie mit einem angemessenen Krafttraining beginnen. Das Ziel ist, den Muskelstoffwechsel anzuregen und die Entzündungen im Körper zu verringern.

 

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